Wie wir ein Paar wurden

Im Interview sprechen Samira und Sohal aus Berlin über ihren gemeinsamen Weg, über kulturelle Unterschiede und die Ehe für alle.
Hallo Samira, hallo Sohal, ihr seid fast neun Jahre ein Paar. Wie seid ihr zusammengekommen?
Samira: Wir studierten beide an der Uni Hannover und hatten dort einen gemeinsamen Bekannten. Jeder von uns hatte sich irgendwie einzeln an ihre Schulter geweint und gesagt, dass wir das Gefühl hatten, dass die queere Community in Hannover zu dieser Zeit nicht vielfältig genug war. So kamen wir ins Gespräch, wurden Freunde und schließlich ein Paar.

Sohal: Als weibliche PoC („Person of Colour“) fühlte ich mich in der queeren Community in Hannover nicht vertreten; Queer-Stereotypen dominierten auch Filme und Fernsehserien. Mir fehlte die Intersektionalität, die Einsicht, dass eine queere Community nicht nur weiß und privilegiert ist.

Hat sich die Situation in den letzten Jahren verbessert?
Samira: Es gibt mehr Repräsentation, aber das ist auch eine Generationenfrage. Die Generation Z ist offener im Umgang mit Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität. In den sozialen Medien können viele Menschen ihre eigenen Communities aufbauen und ihre Reichweite vergrößern; mehr Menschen können sichtbar werden oder gar zu Sprachrohren werden. Es gibt nicht mehr nur das eine Bild der lesbischen Frau; das Spektrum ist viel breiter. Das ist auch ein Grund, warum wir uns queer nennen – denn dazu gehören viele intersektionale Einstellungen und Identitäten.

Sohal: Ich denke, es gibt noch Verbesserungspotenzial bei der Repräsentation, sowohl in der Medienlandschaft als auch in der Politik. Wir müssen noch viel Aufklärungsarbeit selbst leisten – im Beruf oder in der Familie.

Habt ihr damit andere Erfahrungen gemacht?
Sohal: Ja. Meine Eltern kommen aus Afghanistan, aus einem konservativen, sehr heterosexuell geprägten Umfeld. Mein sieben Jahre jüngerer Bruder ist auch queer. Uns fehlten Vorbilder, aber wir hatten das Glück, uns gemeinsam auf die Reise zu unseren Identitäten zu begeben. Unsere Familie konnten wir auf diese Reise mitnehmen, auch wenn wir noch viel Aufklärungsarbeit über unseren Lebensentwurf leisten müssen.

Samira: Nach der Trennung von Vater und Mutter bin ich in einer bayerischen Kleinstadt in einer Regenbogenfamilie aufgewachsen. Da meine Mutter und ihre Partnerin ihre Beziehung offen lebten, war meine Sozialisation ganz anders als die von Sohal. Es gab ein hohes Maß an Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Beziehungen in unserer Familie und unseren Freunden. Aber als Kind habe ich auch gesehen, wie feindselig manche Menschen meiner Mutter und ihrem Partner gegenüber waren.
2017 hat Deutschland das Gesetz verabschiedet, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht – sie nennen es Ehe für alle. Was bedeutet das für Sie?
Samira: Bei uns ist das etwas zwiespältig. Einerseits war es ein wichtiger historischer Schritt, der uns sehr bewegt hat. Andererseits kann ich auch Menschen verstehen, die sagen: „Ich brauche kein Lebenskonstrukt, das mir Jahrzehnte verwehrt wurde.“

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